Landesregierung nimmt die Pflege nicht ernst

Bundespflegekammer kritisiert die Entscheidung der Landesregierung in Baden-Württemberg, eine Pflegekammer in dieser Legislaturperiode nicht mehr einzuführen

Berlin|Das Gerede der Landesregierung über eine Aufwertung des Pflegeberufs sind nur Lippenbekenntnisse. Das zeigt die Absage an eine Pflegekammer deutlich. Wenn man die Pflege braucht, wie in der Corona-Krise, wird über die gesellschaftliche Bedeutung philosophiert, aber am Ende ist die Landesregierung nicht bereit, die nötigen Veränderungen herbeizuführen. Die Leidtragenden werden Patienten, Pflegebedürftige und Angehörige sein, die auf eine sichere, zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Pflege angewiesen sind.

Pflegekammer bedeutet, die beruflich Pflegenden ernst zu nehmen. Das Votum der Mehrheit der Pflegefachpersonen, die sich für die Einrichtung einer Kammer ausgesprochen haben, und der eigene Koalitionsvertrag werden ignoriert. Die anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen wie beispielsweise die Ärzte haben Kammern und sind erfolgreich. Die Pflegeprofession braucht eine starke Interessenvertretung, die auf Augenhöhe mit der Politik und den anderen verkammerten Berufsgruppen im Gesundheitswesen agiert. Jetzt wird weiter über die Pflegeprofession gesprochen und nicht Entscheidungen mit ihr gefällt. Die Pflege bleibt am Katzentisch, das ist die Botschaft der Landesregierung, die die Gegner und manche Arbeitgeber freuen wird.

Die Absage an die Kammer ist auch eine Absage an die Selbstverwaltung in der Pflege. Die Inhalte des Berufs mitzugestalten, neue, attraktive Aufgabenfelder zu entwickeln und selbstbewusst Entscheidungsbefugnisse einzufordern, das kann die berufliche Pflege in der Selbstverwaltung selbst gestalten. Nun entscheiden weiter andere darüber, was Pflege ist und sein soll. So wird der Pflegeberuf nicht attraktiv.

Die Landesregierung verkennt damit die gesellschaftliche Relevanz der Pflege. Ohne ein attraktives Berufsbild und gute Arbeitsbedingungen wird die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Versorgung nicht gelingen. Gute Pflege geht alle an. Und Pflegekammern stehen für gute Pflege ein. Mit dem Denken und den Institutionen der vergangenen 20 Jahre wird man die Pflege der Zukunft nicht sichern.  

 

Ansprechpartner:

Benjamin Henze
Pressesprecher

Anschrift: Alt-Moabit 91,10559 Berlin

Tel.: 015678 652147

E-Mail: Benjamin.Henze@bundespflegekammer.de

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